Was passiert wohl in einer kleinen Tierstation wie der von Lucia, der Protectora La Luz de Laura in Huelva, wenn ein Hund eine Familie gefunden hat. So wie zum Beispiel Faye, von der ich euch berichtet habe?
Logisch, ein Platz wird frei. Bare, der bleibt nicht lange unbesetzt. Zu groß ist die Anzahl der Fellnasen, die auf ihre Chance hoffen aus schlechten Haltungsbedingungen raus zu kommen oder aus einer der Perreras.
Gerade für die älteren oder alten Hunde ist es schwer einen solchen Platz zu finden. Wer will sie schon noch? Alle möchten doch am liebsten Welpen haben. Junge Hunde, die ihr Leben noch vor sich haben. Doch, die Alten, die, die so viel erlebt haben, die oft so weise sind, die, denen an manchen tagen vielleicht die Knochen schon etwas schmerzen, die die so viel erdulden mussten, die werden übersehen.
Dabei sind gerade für ältere Menschen - aber nicht nur für diese - genau diese Tiere die besten Begleiter. Man passt einfach zueinander.
Lucia hat sich der Rettung genau dieser Tiere verschrieben. Sie holt sie gezielt zu sich. Was nicht bedeutet, dass sie juge Hunde einfach ihrem Schicksal überlässt wenn sie Hilfe brauchen, aber gezielt sucht sie eher nach den alten oder kranken Tieren. Die, die ihr Päckchen zu tragen haben.
Zwei neue Hunde sind bei Lucia eingezogen. Beides Tiere, die ein schweres Leben endlich verlassen durften. Die auch im Herbst ihres Lebens noch einmal Liebe, Fürsorge und Schutz erfahren sollen. Dinge, die sie meist bisher nicht kennengelernt haben.
Die erste Hündin, die aufgenommen wurde trägt den Namen Isabella. Sie ist 13 Jahre alt und hat ihr ganzes Leben an einer Kette verbracht.
Kann man sich das vorstellen? Nie etwas anderes zu sehen als die wenigen Meter, die einem die Kette als Auslauf ermöglicht? Nie etwas anderes zu sehen als das kleine Stückchen der Welt, das man von der Kette aus sehen kann? Sie war wohl eine billige Alarmanlage. Sollte ungebetene Gäste mit zwei oder vier Beinen vom Grundstück fernhalten. Das war es. Das war ihr Aufgabe. Etwas anderes als eine Maschine sah man in ihr nicht.
Die Kette, die um Isabellas Hals lag war aus Metall, dick und schwer. Damit sie sie nicht durchbeissen konnte...
Aber, trotz all diesem Leben, das sie bisher kannte, ist Isabella eine freundliche Hündin geblieben, die freudig mit dem Schwanz wedelte, als man sich ihr näherte.
Lucia hat sie aus dieser Haltung befreit. Sie hat Isabella dort rausgeholt und ist erst einmal mit ihr zum Tierarzt gefahren, der sie untersucht hat.
Herzwürmer wurden festgestellt. Klar, einen Schutz dagegen haben die Besitzer nicht gekauft. Der hätte doch "unnötig Geld gekostet". Die Hunde sollen eine Aufgabe erfüllen und möglichst wenig kosten. Impfungen? Parasitenschutz? Wofür? Wird er krank, kommt eben ein neuer her.
Leider ist es so und man muss es so krass schreiben. Und als Menschen mit Herz für Tiere schmerzt es solche Worte zu lesen und solche Einstellungen zu Tieren zu sehen.
Neben anderen kleineren Baustellen wird Isabella demnächst gegen die Herzwürmer behandelt werden. Doch dafür muss sie erst einmal ankommen im neuen Leben. Die Behandlung dauert lange, ist schmerzhaft und das Tier muss ruhig gehalten werden.
Nun bekommt Isabella bei Lucia erst einmal eine Diät aus Leberfutter und darf erfahren was es bedeutet ein gewolltes und geliebtes Tier zu sein.
Ja, Isabella, das ist jetzt dein Bettchen! Weich mit kuscheligen Decken, Mit Spielzeug und du darfst ein Mäntelchen das dich zusätzlich gegen die nächtliche Kälte wärmt tragen.
Was muss in so einem kleinen Hundekopf wohl vorgehen, wenn sich das Leben plötzlich so sehr verändert? Natürlich braucht es zeit, das alles zu verstehen und sich wohl zu fühlen. Es braucht Zeit das neue Leben anzunehmen.
Sobald es möglich ist, wird Isabelle gegen die Filarien (Herzwürmer) behandelt werden. Wenn diese Behandlung dann abgeschlossen ist kann Lucia auf die Suche nach einer wirklich guten Familie für sie gehen. Eine, die der kleinen Hündin zeigt, was es bedeutet MIT den menschen zu leben und nicht FÜR diese. Eine Familie, die weiß, dass sie nicht mehr viele Jahre mit Isabelle haben werden, aber die ihr in dieser Zeit alle Liebe dieser Welt schenken und all das nachholen, was die ehemaligen Besitzer ihr nicht gegönnt haben.

Die zweite Hündin, die bei Lucia einziehen durfte heißt Sultana und ist 10 Jahre alt. Sultana ist eine reinrassige Cocker-Dame, die ihr ganzes Leben als Zuchtmaschine gedient hat. So oft wie eben möglich musste sie Welpen auf die Welt bringen, großziehen, damit sie ihr dann genommen und verkauft wurden.
Auch sie wurde ausgebeutet. Auf eine andere Art als Isabella aber nicht weniger schlimm. Menschen, die zwar Rassehunde haben wollen, für diese aber möglichst wenig Geld ausgeben möchten, die sind mit verantwortlich für solche Tierschicksale.
Auch um Sultana wurde sich nicht besonders gekümmert. Sie war eben nur die Geldmaschine.
Ihre Ohren sind schwer entzündet, das Fell verfilzt, sie hat Leishmaniose und ein Beinchen ist wohl nicht in Ordnung.
Alles das ist beim Besuch beim Tierarzt natürlich sofort festgestellt worden. Lucia wird sich darum kümmern, dass auch Sultana nun behandelt wird und keine Schmerzen mehr erleiden muss.
In der Protectora La Luz de Laura bekam Sultana erst einmal ein reinigendes Bad, das all den Dreck der Vergangenheit von ihr abspülte.
So richtig versteht auch Sultana noch nicht, was gerade mit ihr passiert. Der besorgte Blick von ihr spricht Bände. Sie ist wohl noch nie liebevoll gebadet worden und hat wohl nie wirklich liebende Menschenhände fühlen dürfen.
Nach dem Bad gab es leckeres Futter.
Ihr seht, wo unsere Futterbestellungen ankommen und für welche Tiere sie gebraucht werden.
Die Kosten, die Lucia jeden Monat für die Tiere stemmen muss sind sehr hoch. Alleine Futter und Tierarztbehandlungen oder -untersuchungen verschlingen große Summen.
Aber, für jedes einzelne Leben lohnt es sich. Sultana wird gegen die Leishmaniose behandelt werden. Die ist zwar nicht heilbar, aber gut im Griff zu halten. Und auch die Ohren und das Beinchen werden behandelt werden.
Hoffen wir auch für Sultana, dass sich eine neue und wirklich gute Familie für sie findet. Eine, die auch ihr endlich zeigt was es bedeutet geliebt zu sein. Eine, die sie nicht nur mit Dollarzeichen in den Augen anschaut.
Natürlich werden Sultana und Isabella auch nur kastriert abgegeben.
Jetzt heiß es auch für Sultana erst einmal das Leben bei Lucia im "Übergangs-zu-Hause" zu genießen. Dort bekommt sie so viel, wie es eben möglich ist in einer Tierstation.
Lucia lebt für ihre Tiere. Nachts geht sie arbeiten, tagsüber versorgt sie ihre Schützlinge.
In der Casa Coral kann Sultana jetzt dem Komfort eines kuscheligen Bettchens genießen.
Vielen lieben Dank an alle Spender, die es uns ermöglichen Lucia und ihre Tiere mit Futter zu versorgen und ihr immer wieder einmal auch Geld für die teueren Behandlungen dieser beim Tierarzt schicken zu können. Ohne Menschen wie euch wäre all das nicht möglich!
Guter Tierschutz kostet. Aber er ist unbezahlbar.
Helficus
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